25. Mai 2008: Eröffnung der Ausstellung

525 Jahre Kloster Brede - 175 Jahre Schulschwestern

(Schw. M. Apollinaris Jörgens)

 

 

 

 

 

 

 

 

Schw. M. Apollinaris Jörgens

 

 

Zur Geschichte des Klosters auf der Brede - Teil 1

1483-1842 Augustinerinnenkloster

Am 25. Mai 1483 begann die Geschichte des Klosters ‚Mariä Opferungsthal vor der Nordmauer der Stadt Brakel, „in dem Dorf gelegen, das hierzulande up der Breden heißt“, wie die Urkunde zur Weihe der Kirche aussagt. An diesem Tag wurde die Stiftung der Brüder Bernd und Dietrich von der Asseburg verwirklicht. Augustinerin­nen aus Herford „up dem Hollande“  übernahmen die Neugründung.

Bald wünschten Mädchen aus dem näheren und weiteren Umkreis das strenge Le­ben der Schwestern zu teilen. Die kleine Gemeinschaft wuchs, der Besitz wuchs mit. Wenig wüßte man über diese Zeit, wäre nicht das Archiv erhalten, das 1812 nach dem Verkauf des Klosters dem neuen Besitzer übergeben wurde.

Graf Friedrich von der Asseburg hat dankenswerter Weise aus diesem Archiv einige Urkunden zur Verfügung gestellt. Aus ihnen ist zu ersehen, daß von Anfang an Ver­bindungen zwischen dem Kloster und der Stadt Brakel bestanden.

1483-1812: Zeiten des Aufbaus, Zeiten des Niedergangs!

In der Reformation und Folgezeit blieben die Augustinerinnen dem „alten Glauben“ treu. Der Dreißigjährige Krieg brachte große Not und 1634 die Zerstörung des Klosters. Ein „Spieker“ in der Stadt wurde den Schwestern Zuflucht und die Vorräte darin kurzfristige Lebensgrundlage. Mit Mut und Fleiß tätigten die Schwestern den Wieder­aufbau. Sie nahmen gegen Ende des 16. Jahrhunderts Mädchen und junge Frauen zur Ausbildung auf.

Der Siebenjährige Krieg brachte erneut Not über Stadt und Kloster. (s. Blaues Heft Nr. 18, S.18ff) Die Schwestern ließen sich nicht entmutigen und bestritten ihren Le­bensunterhalt. Fürstbischof Anton Wilhelm und sein Bruder, Freiherr Hermann Wer­ner von der Asseburg, sorgten für den Wiederaufbau des Klosters.

Die Raubzüge Napoleons setzten dem blühenden Klosterleben ein Ende. Bereits 1803 schränkte der Staat Preußen die Rechte der Schwestern ein, aber erst das „Königreich Westfalen“ unter König Jérôme, setzte dem Klosterleben ein Ende. 1810 wurden die Schwestern enteignet, der Besitz verstaatlicht und 1812 verkauft, Graf Hermann Werner von Bocholtz-Asseburg erwarb das gesamte Gut mit allen Gebäuden und sicherte damit den Schwestern ihr Heim. Die letzte Domina, Odilia Möller aus Brakel, starb am 29. Sept. 1844, die letzte Schwester des Klosters, Moni­ca Vischon im Jahr 1847.

 

 

Hermann Werner

Graf von Bocholtz-Asseburg

Gräfin Franziska

geb. Freiin von Haxthausen

 

 

 

Graf Diederich

von Bocholtz-Asseburg

Gräfin Wilhelmine

 

Graf Werner,

einziger Sohn von Graf Diederich

Hermann Werner

Graf von Bocholtz Asseburg

 

 

Gräfin Marie geb. Wolff-Metternich zur Gracht,

Mutter von Graf Busso

Busso Graf von Bocholtz Asseburg

 

Stiftungsurkunden von 1483 und 1606

 

 

 

 

 

Zur Geschichte des Klosters auf der Brede - Teil 2       

Ludowine von Haxthausen - Leiterin der neuen Stiftung 1832- 1848

Seit 1824 mühte sich Graf Hermann Werner um die Realisierung einer zeitgemäßen Stiftung. (s.Blaues Heft Nr. 18 S. 61 ff) Nach vergeblichen Verhandlungen mit der Stadt Brakel machte er 1830 mit Gutheißung der Regierung in Minden eine private Stiftung, das „Hospital St. Anna“. Der Graf hatte an ein Armen- und Arbeitshaus ge­dacht, änderte seinen Plan und gründete dem Rat seiner Gemahlin Franziska, geb. Freiin von Haxthausen, entsprechend, eine Waisenanstalt. Die Schwägerin des Grafen, Freiin Ludowine von Haxthausen, übernahm im Sommer 1832 die Leitung. Nur 16 Jahre wirkte sie hier. Es waren segensreiche Jahrel

Aus Koblenz gewann sie eine gleichgesinnte Mitarbeiterin: Margarete Verflassen. Neben der Betreuung der Kinder im Heim und dem Unterricht in der Schule richteten die beiden Damen die Kirche wieder als Gotteshaus ein. Gretchens Vater, der Kunstmaler Verflassen, schuf im Januar 1834 das Altarbild „Christus am Ölberg“ für die Bredenkirche.

Ludowine erkannte nicht nur die Not der Waisenkinder, sie sah auch die Not der Leh­rerinnen in ihrer Zeit. Deshalb richtete sie 1836 Exerzitienkurse im „Klösterchen“ ein, deren Teilnehmerzahl von Jahr zu Jahr wuchs. Nicht nur Vertiefung und Festigung im Glaubensleben wußte der Exerzitienbegleiter, Pfarrer Franz Josef Tewes, Sohn eines Dachdeckers aus Brakel, den Lehrerinnen zu bieten, sondern er gab auch Anre­gungen und Hilfen für die Unterrichtspraxis. Segensreiche Einrichtungen fanden schon immer Verleumder, auch die Exerzitien auf der Brede. Diese stillen Tage wur­den bei den Behörden so sehr verleumdet, daß die Regierungen in Arnsberg, Minden und Münster meinten, sie verbieten zu müssen.

Ludowine nahm diese Entscheidung nicht widerspruchslos hin. Sie wandte sich mit einem Protestschreiben an König Friedrich WiheIm IV. und erhielt Recht. Die Regie­rungen mußten ihre Verfügungen zurücknehmen.

 

Der frühere Leiter des Erzbischöflichen Archivs von Paderborn, Herr Dr. Cohaucs, urteilte über Ludowine: Diese letzte Stiftsdame von Geseke, Ludowine von Haxthausen, warf von der Brede aus neues geistliches Feuer in die Welt, durch die Einrichtung der Exerzitienkurse. Auch eine damals moderne Mädchenbildung nahm durch sie von der Brede aus ihren Anfang.

Ludowine von Haxthausen 1794 - 1872

 

 

Barockaltar, ehemals in der Klosterkirche

Verflassen, Januar 1844

 

 

Liturgische Gegenstände

 

 

Aus der Zeit der Ludowine von Haxthausen, 1832-1848

 

 

 

 

Zur Geschichte des Klosters auf der Brede - Teil 3      

Gründung des Ordens der Armen Schulschwestem 1833 - und seine Entfaltung bis zur Gegenwart

Als zwischen 1824 und 1832 auf der Brede neues Leben begann, mühte sich in Stadtamhof bei Regensburg die junge Lehrerin Carolina Gerhardinger um die Grün­dung einer Gemeinschaft von Lehrerinnen für Unterricht und Erziehung von Mäd­chen, besonders armer Mädchen. Ordensgemeinschaften, die solche Aufgaben aus­gefüllt hatten, waren der Säkularisation zum Opfer gefallen. Erst am 24. Oktober 1833 konnte Carolina ihr Vorhaben realisieren und gründete den ersten Lehrorden nach den Jahren der Verfolgung.

In Neunburg vorm Wald, Oberpfalz, wurde ihr durch einen Priester das erste Mutterhaus gestiftet, das unerwartet schnell zu klein wurde. Zehn Jahre später, 1843, hatte König Ludwig I. von Bayern der mutigen Frau mit dem Ordensnamen Maria Theresia ein großes Mutterhaus in München zur Verfügung gestellt. Hier entwickelten sich Volksschule, Höhere Töchterschule, „Industrie“- und Haushaltungsschule mit or­denseigenen Lehrplänen.

1847 baten Kardinal Graf Reisach und König Ludwig die Ordensgründerin, Schwe­stern nach Amerika zu senden, zwecks Übernahme der Schulen für deutsche Mäd­chen. Mit fünf Schwestern trat sie die Reise an, erlebte bei der Ankunft eine große Enttäuschung, ließ sich nicht entmutigen und blieb, obgleich zunächst wenig Aus­sicht auf Erfolg bestand, ein ganzes Jahr dort. Mutter Theresia eröffnete Schulen, nahm Ordenskandidatinnen auf, unterrichtete selbst bei äußerst schwierigen Verhält­nissen.

In Deutschland war die Gemeinschaft noch nicht über Bayern hinaus gewachsen, da blühte sie in Amerika unerwartet schnell auf. Das Wachstum hielt an. Es entstanden bis in unsere Zeit dort sieben Ordensprovinzen und eine Provinz in Kanada. In zwei Weltkriegen, in denen sich Deutschland und die USA als „Feinde“ gegenüberstan­den, hielten die amerikanischen Schwestern treu zum deutschen Mutterhaus. Wäh­rend der Notzeiten sorgten sie für Hiifssendungen, teils Lebensmittel, teils Dollarno­ten. Die amerikanische „Ordenshälfte“ sorgte für ein Generalat in Rom, um die Zen­trale des Ordens an einem „neutralen Ort“ zu etablieren.

Nach dem 2. Weltkrieg zogen mutige junge Schwestern in verschiedene Länder Mit­telamerikas, nach Asien und Afrika, um der Weisung der Ordensgründerin zu ent­sprechen: „Dann ziehen wir in die ganze Welt hinaus, in die ärmsten Hütten und kleinsten Dörfer, wohin der Herr uns ruft, Armen die frohe Botschaft zu bringen!“

 

Mutter Theresia  1797-1879

Rötelzeichnung Schw. M. Hiltburg Beer

 

Kindheit Mutter Theresias

 

Zur Zeit der Ordensgründung

 

 

 

Teil 4  Schulschwestern auf der Brede seit 1850

Als Mutter Theresia 1848 von Nordamerika heimkehrte, fand sie eine Anfrage des Grafen Hermann Werner von Bocholtz-Asseburg vor. Indes stand sie vor einem Berg an Arbeit, sodaß es ihr erst im Oktober 1849 möglich war, die Reise nach Westfalen anzutreten. Die Ankunft am 9. Oktober bedeutete eine Enttäuschung: der Graf war einen Tag zuvor gestorben.

Mutter Theresia nahm Wohnung in der Waisenanstalt, erkannte die Notwendigkeit ihrer Hilfe, unterschrieb die fertige Urkunde. nahm fünf iunge Frauen aus dem Kreis der Ludowine als Ordenskandidatinnen an und reiste am 12. Oktober nach München zurück.

Am 2. Mai 1850 trafen drei Arme Schulschwestern aus München auf der Brede ein, um die Stiftung des Grafen für den Orden zu übernehmen. Treu und verantwortungs­bewußt wirkten sie unter großen Schwierigkeiten im „preußischen Ausland“. Der Waisenanstalt und Freischule in der neuen Niederlassung fügten sie bereits 1851 eine höhere Töchterschule an und unterrichteten darin nach dem Lehrplan des Or­dens. Cholera (1854) und Typhus (1864) brachten Rückschläge, aber keine Entmuti­gung. Schülerinnen der Töchterschuie konnten sich nach dreijährigem Schulbesuch zur Fremdprüfung im Lehrerinnenseminar in Paderborn melden. Viele der jungen Lehrerinnen und auch Lehrerinnen aus dem Kreis der Ludowine meldeten sich als Kandidatinnen.

Als 1860 erstmals die Postulantinnen auf der Brede das Ordenskleid erhielten, wurde das Kloster Provinzmutterhaus und hatte bereits seit einigen Jahren Niederlassungen in der Umgebung. Die Provinz breitete sich im Laufe der Zeit über Westfalen. Rhein­land, Hessen und bis in die Provinz Hannover, kurzfristig sogar bis an die Weichsel (Graudenz) aus.

Der Kulturkampf schränkte das Wirken der Schulschwestem ein. Alle Niederlassun­gen der Provinz mußten schließen, die Schwestern wurden vertrieben. Mutter There­sia wies ihnen neue Aufgaben zu, teils in Bayern, teils in Österreich und Ungarn. Schwester M. Hedwig von Bocholtz-Asseburg kämpfte mit Erfolg um den Erhalt der Brede.

Neues Aufblühen, neue Gründungen, Eröffnungen neuer Schulen, bis der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit große Not brachten. Mit viel Mut wurde 1927 das große Schulhaus gebaut. Die Schwestern unterhielten auf der Brede die Volksschu­le, ein Lyzeum und Oberlyzeum, ein Lehrerinnenseminar, eine Haushaltungsschule und seit 1927 eine Handelsschule für Mädchen.

Als der Orden das hundertjährige Bestehen feierte, kam Hitler an die Macht. Diesmal ging es nicht mehr nur um Erhalt der Filialen. Es ging um Sein oder Nichtsein der Or­densgemeinschaft. Bis 1939 waren alle Schulen der Westfälischen Provinz ge­schlossen oder verstaatlicht, außer der Mittelschule in Warburg und der Volks- und der Oberschule auf der Brede. Der Gauleiter persönlich, setzte sich für die Vertrei­bung der Schwestern von der Brede ein, nachdem die Oberschule verstaatlicht wor­den war. Die Wehrmacht kam den Schwestern zu Hilfe und beschlagnahmte das ganze Schulhaus als ein Lazarett. (s. Blaues Heft Nr. 20)

1945 begann neues Leben. Die Schulen wurden dem Orden zurückgegeben. Auf der Brede gab es bald wieder Volks-, Haushaltungs-. Handelsschule. Die Oberschule wurde zum Neusprachlichen Mädchengymnasium ausgebaut. Auch die geschlosse­nen Niederlassungen blühten neu auf.

Der Mangel an Ordensnachwuchs während der vergangenen 12 Jahre drückte hart. Hilfe kam aus dem Osten. Viele der aus Schlesien vertriebenen oder geflüchteten Schwestern fanden in der Westfälischen Provinz eine neue Heimat und freuten sich, in ihrem Beruf als Lehrerinnen und Erzieherinnen wirken zu können.

Seit der Mitte der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts fehlt der Ordensnachwuchs fast ganz auf der Brede. Deshalb mußten blühende Einrichtungen abgegeben wer­den. Die Schwestern sind dankbar, daß die Diözese Fulda und die Erzdiözesen Pa­derborn und Köln die meisten der Schulen übernommen haben. Das Kloster auf der Brede ist Mittelpunkt geistigen und religiösen Lebens geblieben. Tagungen und Kursen öffnet das Haus seine Pforte, Erholung- und Stille-Suchenden ein Zimmer im Gästehaus.

Der Kindergarten bringt Freude und Leben ins Gelände, und eine wichtige Aufgabe der Schwestern ist die Pflege und Betreuung alter und kranker Mitschwestern. Mit dem Wort Mutter Theresias: „Der Herr hat uns bisher wunderbar geholfen, er wird auch weiter helfen“ begehen die Armen Schulschwestem auf der Brede in Freude das Jahr des Doppeljubiläums!

 

 

Schw.  M. Hedwig von Bocholtz-Asseburg

1822-1888

Schw. M. Hedwig war eine der ersten Schulschwesternkandidatinnen aus Westfalen

 

 

 

Schulschwester vor dem Schreibtisch sitzend in der alten Ordenstracht

 

 

Schreibtisch aus dem Ende des 19. Jahrhunderts

aus der früheren Zelle der Oberin

 

 

Liturgische Handschriften verschiedener Schwestern

 

 

 

Gegenstände aus Afrika und Mittelamerika

 

 

aus Südamerika und den USA

 

aus Japan und Guam

 

aus Süd- und Mittelamerika

 

aus Osteuropa, Italien und Slowenien

 

Skapulier, entworfen von Monsignore F.-J. Hövelborn

gestickt: Schw. M. Cordis, 87 J.:

 

 

 

Im Kellergewölbe:

Projekt des Kindergartens:

 

 

 

 

 

 

SchülerInnen auf Entdeckungstour